Wissen schaffen?



Ich habe es geschafft. Nach Monaten des emsigen Schreibens und Nächte der Nachbearbeitung ist meine Abschlussarbeit nun vollendet und auch längst schon abgegeben worden.
Im Gutachten heist es, dass das Zusammenwirken kultureller, politischer und individueller Bedürfnisse in Indischen Reiseberichten zwischen den beiden Weltkriegen vertiefend zu untersuchend sei.

Also vorerst kein Ende.
Schön so. Es gibt noch viel zu entdecken: Die ersten Hare Krishnas in Deutschland, ihr Umgang mit den Repräsentanten des Nationalsozialistischen Systemes, das Interesse Deutschland an indischer Philosophie und anderes.

Was immer wieder in Momenten der Recherche in Katalogen, beim Sichten von Literatur oder Notieren von Interessanten in meine Gedanken drängt, ist die Frage, was von diesem Wissen wirklicht Bestand hat?
Wie beständig ist Wissen?

Im Grunde ist Wissen, das über unsere Sinnesorgane aufgenommen und durch unseren Intellekt geschlossen wurde, immer mit gewissen Fehlern behaftet: Unsere Sinne können getäuscht werden, wir schließen falsch, wir versuchen unsere Argumente entgegen anderer (vielleicht besserer) nach vorn zu stellen und wir haben die Tendenz unsere Unfähigkeit, gern zu verbergen.

Viel Wissen kann durch den demokratischen Diskurs geschöpft werden, aber den Anspruch einer ultimativen Absolutheit kann nicht vertreten werden. Man sucht immer noch nach der Weltformel.

(Wikipedia: Eine Weltformel, oder eine Theorie von Allem (TOE, Theory Of Everything) ist eine hypothetische Theorie der theoretischen Physik und Mathematik, die zusammen alle bekannten physikalischen Phänomene erklären und verknüpfen soll.)

Vedavyasa schrieb die Veden nieder
Spirituelles Wissen, wirkliches Wissen, wenn wir uns auf die ewige Seele im Gegensatz zu zeitweiligen Wissen, das sich auf den groben oder feinen Körper bezieht,beziehen, funktioniert anders. Wissen von der Seele oder Gott kann der Bhagavad Gita folgend nicht von uns erzeugt werden. Es ist immer da, nicht immer uns zugänglich aber stets vorhanden. Krishna beschreibt sich in der Bhagavad Gita als derjenige, welcher das Wissen selbst ist, Wissen dem Lebewesen gibt und es auch wieder nehmen kann.

Um das Wissen von der Identität der Seele zu bringen erscheint er selbst in den verschieden Inkarnationen bzw. sendet er ermächtigte Personen.
Krishna unerweist Arjuna auf dem Schlachtfeld.

Strebt man nach spirituellem Wissen sollte man nicht eigenen Vorstellungen nachhängen sondern eine verwirklichte Person (wer das ist und wie die Person sich verhält lässt sich in der Bhagavad Gita nachlesen) fragen. In der eigenen Anwendung dieses Wissens kann die eigentliche, spirituelle Identität erfahren werden.

Wissen das nicht auf der Identität der Seele fußt wird immer neu generiert und bleibt nur für eine gewisse Zeit und gewisse Umstände gültig.

So hat auch jede wissenschaftliche Arbeit ihre Grenzen und Bedingungen, unter denen sie funktioniert.

Die Kunst einen Kuchen zu backen oder Nur der Zucker macht nicht die Süße


Eines wunderbaren Morgens entsprang sie zum Singen der Vögel ihrem Bett, wusch und kleidete sich sorgfältig und schlich sich dann am schlafenden Hund vorbei in die kalte Küche. Dort zog sie Mehl, Schlagsahne, Butter, gezuckerte Kondensmilche und all die feinen Zutaten aus einem Versteck und begann für ihre liebste Mutter zu backen.


Kuchen für Krishna zur Govardhan Puja
Als der Duft aus dem Ofen die Nase der eintretenden Mutter in ihren Bann zog, hielt die Kleine sie zurück. Erst als die gesamte Familie sich um den Tisch versammelt hatte, der mit vielfarbigen frischen Gartenblumen strahlte, überreichte sie im neuen Kleid ihr mit Zucker übergossenes Werk. Im Auge der Beschenkten funkelten Tränen. Sie lächelte und drückte ihre Kinder an sich.

Nach dieser Umarmung griff die Kleine einen Teller und zerbrach ihn auf dem Kopf ihres Bruders, der sie in den letzten Tagen immer so schlecht behandelt hatte. Auch in seinen Augen funkelten nun kleine Tränen.


Wird sich die Beschenkte freuen?

Sicher. Die Arbeit welche die Schwester in den Kuchen und die Szene investierte, den Tisch deckte, die Blumen arrangierte, schätzt die Mutter zweifellos. Doch ihr Verhalten ihrem Bruder gegenüber kann sie sicher nicht tolerieren.

Diese Analogie zeigt uns unserer eigenen Verhalten auf. Einerseits geben wir uns Mühe Regeln und Rituale zur Verherrlichung Krishnas mit Liebe durchzuführen. Andererseits neigen wir dazu zu vergessen, dass alle Lebewesen die Kinder Gottes sind. Wir missachten sie, sprechen schlecht über sie und sind neidisch. Doch was ist der Wert jeglicher religiöser Praxis, wenn nicht versucht wird allen Lebewesen Achtung und Liebe zu erweisen?

In der dritten Strophe Chaitanyas Shikshastaka steht, dass nur jemand das yuga dharma, den Weg der Verwirklichung in diesem Zeitalter - das gemeinsame Singen der verschiedenen Namen Gottes, rein und stetig ausführen kann, wenn er keine Ehre für sich selbst erwartet und alle Ehre anderen erweist. In diesem Sinne beherbergt diese Philosophie nicht nur einen Prozess zur Selbsterkenntnis sondern auch eine Lebenskultur, die diesen Vorgang unterstützt, bzw. nach dem Shikshastaka erst möglich macht.

Größere Kuchen sind auch möglich.
Die eigentliche Süße eines Kuchens liegt nicht in der Chemie des Zuckers sondern in den Beziehungen der Bäcker zueinander, die ihn zusammen für Krishna gebacken haben.

"Oh Krishna, du hast ein Herz aus Stein!"



Tulasi devi lebte glücklich mit ihrem Mann in dessen Königreich. Nach und nach eroberte der dämonische König Sankhacuda das ganze Universum und vertrieb selbst die Halbgötter aus ihren Gemächern auf den höheren Planeten. Diese konnten nichts gegen ihn ausrichten und wandten sich in ihrer Not an Brahma. Gemeinsam mit Shiva erreichten sie sie Vaikunta Planeten, auf denen es weder Geburt noch Tod gibt und baten Narayana um Hilfe. Dieser erklärte ihnen, dass der Dämon Sankhacuda, der sie aus ihren Palästen vertrieben hatte, sein Devotee sei, der verflucht wurden war. Erst wenn das Juwel, das er um den Hals trug ihm genommen und seine Frau ihre Keuschheit verloren hätte, könnte man ihn töten.
Girlande aus Tulasi Blättern

Darauf hin verkleidete sich Shiva als Brahmana und erbat das Juwel, Krishna indessen nahm die Gestalt von Sankhacuda an und ging zu Tulasi devi. Diese freute sich über alle Maßen, da ihr Mann schon vor langer Zeit in den Krieg gegen die Halbgötter gezogen war und empfing ihn voller Liebe. Als sie Nachts beisammen lagen, ahnte sie, dass es nicht ihr Gemahl war, der neben ihr lag. Sie begriff, dass Krishna sie überlistet hatte. Aus Wut ihren Mann unwissentlich betrogen zu haben, verfluchte sie den Herren: „Oh Herr du hast kein Mitleid. Dein Herz ist wie ein Stein. Dafür sollst du ein Stein werden.“ (Salagrama Sila)

Krishna als Salagrama Sila
Krishna beruhigte sie und sagte, dass sie doch harte Bußen auf sich nahm, um ihn als Ehemann zu bekommen. „Dein Mann Sankhacuda übte Entsagung, um dich als seine Frau zu bekommen. Deshalb tat ich das alles. Nun lasse diesen materiellen Körper hinter dir und heirate mich. Du wirst der heiligste Fluss werden, deine Haare werden heilige Bäume und Büsche, die man Tulasi nennt. Keine meiner Verehrungen wird ohne diese Blätter vollkommen sein.“

Das Srimad-Bhagavatam (3.15.19) erklärt die besondere Bedeutung der Tulasi-Pflanze:
Obwohl Blüten tragende Pflanzen, wie die Mandara, Kunda, Kurabaka, Utpala, Campaka, Arna, Punnaga, Hagakesara, Bakula, Lilie und Parijata, transzendental duften, sind sie sich dennoch der Tapasya [Entsagungen] bewusst, die Tulasi auf sich genommen hat; denn Tulasi wird vom Herrn, der Sich mit ihren Blättern bekränzt, besonders bevorzugt.“

Das Erscheinen Tulasi devis


Tulasi erschien, auf die Segnung Vishnus hin, als Tochter Königin Madhavis und König Dharmadhvaja. Die Schönheit der Glücksgöttin war in diesem Kind manifestiert. Auf dessen Fußsohlen waren Lotosblüten gezeichnet, die Lippen  besaßen die Röte der Bimba Frucht und ihr Körper war im Winter angenehm warm und kühlend im Sommer. Aufgrund ihrer Schönheit nannten die Weisen sie Tulsi, eine ohne eine zweite.
Kurz nach ihrer Geburt begab sie sich nach Badrinath und übte dort Entsagung, um ihren geliebten Krishna als Ehemann zu bekommen.

In Goloka Vrindavan entfernte sich Krishna eines Tages von Radharani, ging mit einer Gopi namens Viraja zum Rasa Tanz und liebäugelte mit ihr. Geblendet von Wut folgte ihnen Radharani und verwandelte Viraja in einen Fluss. Später als Radha, Krishna und Sudama sich wieder trafen tadelte Radha Krishna auf das Schärfste. Krishna blieb still, doch Sudama, ein Kuhhirtenfreund Krishnas, konnte dies nicht und schimpfte mit Radha. Daraufhin wurde sie rot und befahl ihren Dienerinnen ihn weg zu führen. Der Kuhhirte widersetzte sich jedoch den Dienerinnen und wurde darauf von Radharani verflucht, durch eine Dämonin geboren zu werden.
Sudama begann zu weinen und ging. Doch Radha hielt ihn in ihrer Gnade zurück, „Du brauchst nicht gehen! Bitte komm wieder!“. Dazu sagte Krishna, dass er nur einen kurzen Moment weg sein und der Fluch schnell vorüber sein würde.
Sudama wurde schließlich als Sankhacuda der Sohn Dambhas in der materiellen Welt geboren und um Tulasi als Frau zu gewinnen, begann er Entsagung zu üben. Brahma verheiratete schließlich die beiden und wie es weiter geht, ob beide wieder nach Goloka kommen, Tulasi ihren Krishna bekommt und vieles mehr erfahrt ihr in der nächsten Woche.

Einfach nur Blätter?


Etwas Krishna zu opfern ist, abgesehen von der notwendigen Liebe, im Grunde nicht schwer. Er selbst sagt in der Bhagavad Gita, das er Wasser, Früchte, Blumen und Blätter, sofern sie mit Liebe ihm dargebracht werden, akzeptiert.

Früchte, Blumen und Wasser, klar etwas zum Essen, Zum trinken und zum Riechen, aber Blätter?

Tulasi
Ja sicher, er sagt es selbst. Während des Govardhan Puja Festivals zum Beispiel war es nur ein Blatt, das die Oferung rettete, denn Krishna hatte als Govardhan Berg alle verfügbar gewesenen Lebensmittel gegessen und wollte noch mehr. Was tun? Ein Brahmana nahm ein Tulsi Blatt und opferte es: Krishna war sofort mit der Opferung zufrieden.

Gut, sicher Tulasi ist keine gewöhnliche Pflanze, sie ist Krishna so lieb, dass er Opferungen mit ihren Blätter sehr gern annimmt. In vielen Schriften werden die Glorien Tulasis beschrieben:

Advaita Arcaya
Advaita Arcarya opferte seinem Shaligrama Shila neben seinen Gebeten 'nur' Tulasis Blätter und Gangeswasser, um den Herren zum Erscheinen auf der Erde zu bewegen. Er erschien auch, als Chaitanya Mahaprabhu.






Oder die Sache mit den vier Kumaras, den junggebliebenen Söhnen Brahmas, die, als sie den Duft der Tulsiblätter rochen, die Vishnu dargebracht wurden, ihn als den Höchsten verehrten begannen.

Neben den großen Tempeln, wird Tulasi auch in vielen Heimen verehrt. Selbst im kalten Chemnitz.

In der nächsten Woche werden wir das Mysterium um das Erscheinen Tulasis lüften.

Bhaktisiddhanta Saraswati Thakur


Am heutigen Tag vor 73 Jahren verließ Bhaktisiddhanta Saraswati Thakur die Erde. Sein Erbe wird das Leben tausender Menschen zutiefst verändern und Einzug in die westliche Kultur halten.
Bhaktivinodas Familie. Links oben Bimala Prasad

Als Sohn des des Tempelpräsidenten und Vaisnavas Bhaktivinoda Thakur war er die Antwort auf die Gebete seines Vaters. Dieser erkannte, das die Mission Caitanya Mahaprabhus nicht durch ihn allein verbreitet werden konnte und betete für einen Sohn, der dieses Wissen über die ganze Welt streuen würde.
Bimala Prasad

Kurz nachdem Bimala Prasad geboren wurde, blieb einer der dreißig Meter hohen Wagen des jährlichen Ratha Yathra Festivals für vier Tage vor dem Haus der Familie stehen. Die Mutter nutzte die Chance und gab den Jungen auf den Wagen. Als dieser den Staub der Füße Balarams berührte, fiel dessen Girlande das Kind. In diesem Moment erkannte der Vater, das seine Gebete erhört wurden.
als Student


Der durch sein Wissen, Entsagung, Mitleid und Intelligenz auffallende Bhakta bekam als Student schon eine Professorenstelle in Calkutta angeboten, die er ablehnte.

Er folgte der Mission seines Vaters und verbreitete das gemeinsame Singen der Namen Krishnas über Indien. Einen seiner Schüler Abaya Charan, der später Srila A.C. Bhaktivedanta Prabhupada genannt wird, gelingt in der Hälfte des 20. Jahrhundet das, was keinem vorher gelang und auch keiner für möglich gehalten hätte: die Tradition Krishna Chaitanyas in den Westen zu pflanzen,  von dort breitete sie sie sich in die ganze Welt aus (auch nach Indien zurück).
Kurz nachdem er in den Stand des Wandermönches trat

Zur ausführlicheren Biografie geht es hier (deutsch) und hier (englisch).








Einen Film (englisch) über das Leben Bhaktisiddhanta Saraswatis hier:

Und wer noch in seinen Artikeln und der Sammlung seiner Zeitung „The Hamonist“ stöbern möchte, sollte hier klicken.


Bhaktisiddhantas Sankirtan

Zwischen PurityTee und KrishnaRock ging etwas verloren


Dienstag morgens beschwingt die Füße auf das kalte Pflaster setzen. Es muss nicht zur Bahn gerannt werden heute, ein guter Start in den Tag. Im Ohr singt Kula Shaker (Großbritannien): I hear the sound of drums/ Well I sing in thenames above in the city yeah/Revolution for fun. In meiner Hand baumelt beschwingt die Tasse meines neuen Lieblingstees der Geschmacksrichtung Purity. Der Hersteller High Living hat mit seinem Fairtrade-Bio-GutesGewissen-LeckerTee meinen Geschmack in einer wirklich schönen Verpackung getroffen.
Selbst die Straßenbahn bietet mir heute einen freien Platz. Ich setzte mich, krame in meiner Tasche und nutze die Zeit bis zur Haltestelle, um noch ein wenig entspannt im Bhagavatam zu schmökern.

Doch plötzlich, aus schier heiterem Himmel rinnt es mir kalt den Rücken herunter: irgendetwas war doch noch, etwas wichtig, was nur? Ich setze mich auf,besehe mich meiner Seminarunterlagen: alles vorbereitet, sogar recht ausführlich. Etwas Feines zum essen, das Getränk, im Grund habe ich alles dabei.
Ich atme aus, blicke durch die zerkratzte Fensterscheibe auf die vorbeieilende Straße. Das ungute Gefühl will mich einfach nicht verlassen. Der Schlüssel!
Ich durchforste meiner Hosentaschen und fördere ihn zu Tage, das war es auch nicht.
Als ich mir meinen Schlüssel so beschaue, entdecke ich die Ursache meines unguten Gefühles trotz des wunderbaren Morgens: Krishna.

Der kleine Schlüsselanhänger mit dem blauen Kuhhirtenknaben, der höchsten Persönlichkeit Gottes, erinnerte mich an den, den ich vergessen hatte. Trotz des Lesens im Bhagavatam und aller anderen unterstützenden Prozesse, hatte ich das Wichtigste vergessen: An Krishna zu denken und ihn nicht zu vergessen.

In der Bhagavad Gita erklärt Krishna seinem Freund und Schüler Arjuna diesen Mittelpunkt aller spirituellen Praxis und im Srimad Bhagavatam beschreibt Krishna Brahma, wie man Krishna direkt und indirekt sehen kann: man muss ihn suchen.
Selbstverständlich ist die Suche nur die „halbe Wahrheit“, denn wer sucht muss auch nicht gleich finden, jedoch ist dieses stetige und vertrauensvolle Fahnden nach der letztendlichen Ursache hinter allem ein Beweis unserer Ernsthaftigkeit. Krishna wird, so verspricht er in der Bhagavad Gita, sich unserer ernsthaften Hingabe gemäß offenbaren.

In diesem Sinne sollte sollten wir danach streben, die Ursache hinter den Erscheinungen mit der Hilfe offenbarten Wissens zu suchen und spirituelle Prozesse nicht zum leeren Ritual verkommen zu lassen.

I feel the time has come in a melody/ I see the golden one (Kula Shaker: Sound of Drums)

Denn vom Teetrinken hat noch keiner Liebe zu Gott bekommen ...

Viele kleine Gurus, soweit das Auge reicht (Teil 3 - Die Ekelraupen)


Ekelerregend sind die noppigen, dicken Raupenkokons im Bad! Eingewoben in klebrige Fäden, bewegt sich ab und zu etwas im unerkennbaren Inneren. Einfach ekelig! Doch manche von ihnen sind bereits offen, ein dickes Loch klafft am Ende der Raupenhülle. Was aus ihnen hervor stieg ist eine der schönsten Bewohner dieser Erde: ein Schmetterling! Mit den buntesten Farben und detailreichen Mustern flattern sie fröhlich und ausgelassen über die Wiesen; in allen Religionen der Welt werden sie als Symbol der Transformation erkannt; besonders hier in Mayapur finde ich jeden Tag neue, wunderschöne Exemplare in allen Größen...
Ich erkenne hier täglich mehr, dass der Zustand der bedingten Seele der eingesponnen Raupe sehr ähnlich ist: man hüllt sich in seine eigenen Wünsche und Gedanken, abgekapselt von dem Rest der Welt, behauptet man „seinen Besitz“ für sich, unter Angst sich zu öffnen. Man hortet seine kleinen Vorräte und will sie nur für sich genießen. Dies ruft natürlich hin und wieder Verärgerung und Unwohlsein in anderen hervor, wie eine Raupenlarve an der Wand.
Wenn wir jedoch den spirituellen Weg der Selbsterkenntnis voranschreiten, sehen wir, dass vor uns ein Leben als farbenbrächtiger Schmetterling liegt : frei und angstlos, nimmt er dankbar jeden Nektar an, der ihm auf seinem Weg gegeben wird, wobei er wie von selbst allen anderen die ihm begegnen Freude bereitet. Typische Merkmale eines Heiligen.

Was mache ich hier eigentlich?

Nachdem mir nun einige diese Frage stellten, fällt mir auf, dass sie auf recht verschiedene Weise verstanden werden kann:
Was mache ich hier den ganzen Tag in Mayapur?
Was mache ich hier als Deutscher in Indien?
Ausblick von unserem Dach
Was mache ich hier als spirituelle Seele in der vergänglichen Welt?
Nun zur ersten Deutung, ich versuche so früh wie möglich aufzustehen, (allerdings immer etwas später als Ramananda, mein Reisecompanion, der stets 2 Uhr freudig aufspringt), bin jeden morgen erneut von den wunderschönen Bildgestalten Krishnas im Tempel beeindruckt, tanze ausgelassen mit hunderten von Devotees und versuche dann meinen Geist ca 2-3 Stunden in Gebet und Meditation auf die Namen Gottes zu richten....Wir haben jeden Tag eine Vorlesung von einem der Heiligen die hier ankommen oder wohnen, 3 Stunden haben wir Unterricht, dann gilt es Sanskrit-Verse zu lernen, Essays zu schreiben und zudem soviel Lesestoff als Hausaufgabe, dass man kaum alles schaffen kann, schließlich muss man auch noch seine Wäsche waschen und vor allem die Atmosphäre aufsaugen: von überall klingt in der ganzen Region gottesbewusste, ekstatische Musik aus den Häusern und Tempeln, überall sind Menschen mit tiefen Verwirklichungen, und ernsthafte Sucher, Krishna ist überall spürbar und erkennbar.
Damit sind wir bei der zweiten Frage angelangt; ich versuche hier eine Weile von der materialistischen Lebensweise des Westens Abstand zu bekommen, wo mir von allen Seiten einprogrammiert wird, dass ich konsumieren, schick aussehen und materiell erfolgreich sein muss, um glücklich zu sein. Ich tauche in eine Welt, wo Spiritualität nichts sonderbares, sondern das Ziel des Lebens ist, wo Gott untrennbar zum Leben gehört. Hier will ich auftanken, Inspiration suchen und mich selbst vertiefen, um schließlich zu erkennen wer ich wirklich bin! (gemerkt? Wir sind schon bei der 3. Frage)
Ausflug mit Chaitya und Ram
Ich bin offensichtlich nicht mein Körper, dieser wird bald alt und zu Erde. Ich bin auch bestimmt nicht Nichts, dafür bin ich mir meiner Selbst einfach zu bewusst (cogito ergo sum). Die vedischen Schriften erklären uns, dass wir ursprünglich aus einer Welt kommen, in der alles sat cit ananda, ewig, voller Bewusstsein und voller Glückseligkeit ist. Alle Wesen streben nach Ewigkeit, Wissen und vollkommener Glückseligkeit, weil wir aus der spirituellen Welt kommen. Doch in der hiesigen Welt ist all dies nie zu finden. Was mache ich dann hier in dieser vergänglichen Welt?
Ich wollte gern mal Gott spielen! Obwohl ich nur einer von Milliarden Funken in dieser endlosen Schöpfung bin, obwohl ich nur einen winzigen Ausschnitt dieser Welt sehen kann und permanent Fehler mache, bin ich der Überzeugung, dass meine Pläne die besten und wichtigsten seien; dass mir gedient werden sollte, statt das ich der Diener bin. Jeder der in diese vergängliche Welt gekommen ist, war neidisch auf Gott und Seine höchste Position. In der Bibel wird dies mit dem Biss in die verbotene Frucht, dem Sündenfall dargestellt. Sobald ich den Wunsch hatte von Ihm unabhängig zu kontrollieren und zu genießen hat er diesen riesigen Spielplatz erschaffen, natürlich ganz nebenbei: die unzähligen materiellen Universen. Hier kann ich, in der Illusion, dass ich unabhängig irgendetwas in der Hand habe und alles ewig so weitergeht, all meine Wünsche ausleben.
Bootsausflug mit KKSwami
Doch ich merke nun, nach meiner langen Reise durch diesen Erlebnispark, dass so langsam die Zeit gekommen ist, mich wieder auf die Rückkehr vorzubereiten, indem ich mich wieder daran erinnere, dass ich eine Seele bin und nicht mein Körper, und dass ich in die spirituelle Welt gehöre, wo alles in seiner ursprünglichen perfekten Weise harmoniert und nicht jeder Versucht seine eigene kleine Welt zu erschaffen.

Euer Markandeya dasa

Jaggannath zieht sich warm an! ?


Auch wenn es die aktuellen Temperaturen nicht vermuten lassen, die Blätter auf dem Gehsteig, sowie die eröffnenden Weihnachtsmärkte sprechen es klar aus: es ist Winter. Diese ,sich vor allem durch niedrigste Temperaturen und Lichtmangel, auszeichnende Jahreszeit herscht auch in Indien. Genau aus diesem Grund wird am heutigen Tag ein schönes Festival begangen: Odana sasthi!

An diesem Tag wird Jaggannath, Krishna, der Herr des Universums, seine Winterkleidung angelegt.

Odana sasthi in Mayapur


Winterkleidung? Wie, warum braucht Gott, der Beherrscher des Klimas, der Reichste, Mächtigste und der Entsagteste Winterkleidung?

Zuerst: Krishna beschreibt in der Bhagavad Gita, dass er sich seinem Geweihten auf die Art zeigt, wie dieser sich ihm ergibt. Aufgrund dessen kann die Beziehung, die man mit Krishna haben kann, unterschiedlicher Art sein. Wenn ein Geweihter also eine sehr persönliche Beziehung wünscht und dies durch seine Ernsthaftigkeit belegt, wird Krishna mit ihm in eine bestimmte Beziehung eintreten, wie zum Beispiel in eine elterliche.

Auf diese Weise wird Krishna für seinen Geweihten nicht nur der Eigentümer aller Schätze, sondern auch der liebste Freund. Was macht Krishna glücklicher, als die aktive Liebe seiner Geweihten?

Da also die Geweihten Jaggannath in einer persönlichen Beziehung verehren, sind sie auch bestrebt ihm etwas Warmes zukommen zu lassen und dieses Fest wird heute gefeiert.

Buchverteilung 1975
Doch nicht nur Jaggannath zieht sich warm an: Auf der ganzen Welt sind viele Gottgeweihten auf den Straßen unterwegs und geben besonders in diesem Monat spirituelles Wissen weiter. Denn, so erklärt Krishna in der Bhagavad Gita, ist ihm keiner lieber als der, welcher spirituelles Wissen freitmütig verteilt.