Was mache ich hier eigentlich?

Nachdem mir nun einige diese Frage stellten, fällt mir auf, dass sie auf recht verschiedene Weise verstanden werden kann:
Was mache ich hier den ganzen Tag in Mayapur?
Was mache ich hier als Deutscher in Indien?
Ausblick von unserem Dach
Was mache ich hier als spirituelle Seele in der vergänglichen Welt?
Nun zur ersten Deutung, ich versuche so früh wie möglich aufzustehen, (allerdings immer etwas später als Ramananda, mein Reisecompanion, der stets 2 Uhr freudig aufspringt), bin jeden morgen erneut von den wunderschönen Bildgestalten Krishnas im Tempel beeindruckt, tanze ausgelassen mit hunderten von Devotees und versuche dann meinen Geist ca 2-3 Stunden in Gebet und Meditation auf die Namen Gottes zu richten....Wir haben jeden Tag eine Vorlesung von einem der Heiligen die hier ankommen oder wohnen, 3 Stunden haben wir Unterricht, dann gilt es Sanskrit-Verse zu lernen, Essays zu schreiben und zudem soviel Lesestoff als Hausaufgabe, dass man kaum alles schaffen kann, schließlich muss man auch noch seine Wäsche waschen und vor allem die Atmosphäre aufsaugen: von überall klingt in der ganzen Region gottesbewusste, ekstatische Musik aus den Häusern und Tempeln, überall sind Menschen mit tiefen Verwirklichungen, und ernsthafte Sucher, Krishna ist überall spürbar und erkennbar.
Damit sind wir bei der zweiten Frage angelangt; ich versuche hier eine Weile von der materialistischen Lebensweise des Westens Abstand zu bekommen, wo mir von allen Seiten einprogrammiert wird, dass ich konsumieren, schick aussehen und materiell erfolgreich sein muss, um glücklich zu sein. Ich tauche in eine Welt, wo Spiritualität nichts sonderbares, sondern das Ziel des Lebens ist, wo Gott untrennbar zum Leben gehört. Hier will ich auftanken, Inspiration suchen und mich selbst vertiefen, um schließlich zu erkennen wer ich wirklich bin! (gemerkt? Wir sind schon bei der 3. Frage)
Ausflug mit Chaitya und Ram
Ich bin offensichtlich nicht mein Körper, dieser wird bald alt und zu Erde. Ich bin auch bestimmt nicht Nichts, dafür bin ich mir meiner Selbst einfach zu bewusst (cogito ergo sum). Die vedischen Schriften erklären uns, dass wir ursprünglich aus einer Welt kommen, in der alles sat cit ananda, ewig, voller Bewusstsein und voller Glückseligkeit ist. Alle Wesen streben nach Ewigkeit, Wissen und vollkommener Glückseligkeit, weil wir aus der spirituellen Welt kommen. Doch in der hiesigen Welt ist all dies nie zu finden. Was mache ich dann hier in dieser vergänglichen Welt?
Ich wollte gern mal Gott spielen! Obwohl ich nur einer von Milliarden Funken in dieser endlosen Schöpfung bin, obwohl ich nur einen winzigen Ausschnitt dieser Welt sehen kann und permanent Fehler mache, bin ich der Überzeugung, dass meine Pläne die besten und wichtigsten seien; dass mir gedient werden sollte, statt das ich der Diener bin. Jeder der in diese vergängliche Welt gekommen ist, war neidisch auf Gott und Seine höchste Position. In der Bibel wird dies mit dem Biss in die verbotene Frucht, dem Sündenfall dargestellt. Sobald ich den Wunsch hatte von Ihm unabhängig zu kontrollieren und zu genießen hat er diesen riesigen Spielplatz erschaffen, natürlich ganz nebenbei: die unzähligen materiellen Universen. Hier kann ich, in der Illusion, dass ich unabhängig irgendetwas in der Hand habe und alles ewig so weitergeht, all meine Wünsche ausleben.
Bootsausflug mit KKSwami
Doch ich merke nun, nach meiner langen Reise durch diesen Erlebnispark, dass so langsam die Zeit gekommen ist, mich wieder auf die Rückkehr vorzubereiten, indem ich mich wieder daran erinnere, dass ich eine Seele bin und nicht mein Körper, und dass ich in die spirituelle Welt gehöre, wo alles in seiner ursprünglichen perfekten Weise harmoniert und nicht jeder Versucht seine eigene kleine Welt zu erschaffen.

Euer Markandeya dasa

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