Sie blickten sich tief in die Augen. Da begann einer der beiden seinen Mund langsam zu öffnen, um den richtigen Worten Ausdruck zu verleihen. „Ich, ich“, doch die Worte wollten nicht so recht über die Lippen kommen. „Ich mag dich, also weisst du, du bist mir total wichtig“, hörte man den jungen Menschen stammeln.
Die Worte, die hier nicht über die Lippen kommen mochten waren: „Ich liebe dich“. Keine einfache und alltägliche Phrase.
Denn wenn man Statistiken zur Eheschließung und -scheidung besieht, fällt auf, dass jede zweite Ehe scheitern wird.
Doch trotz dieser offensichtlichen Diskrepanz zwischen unserer Idealvorstellung einer Liebesbeziehung und der Realität, halten die meisten unter uns an den Wert der Liebe fest.
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| Guido Reni, Die liebende Mutter |
Trotzdem ist die Liebe gar nicht wirklich begrifflich zu fassen. Als „Bezeichnung für die stärkste Zuneigung, die ein Mensch für einen anderen Menschen (auch zu einem Tier u. a. m.) zu empfinden fähig ist“ beschreibt sie Wikipedia und streift damit wahrlich nur die Oberfläche. Neben diesen alltagssprachlichen Verwendungen gesellen sich viele philosophische Beschreibungen (z.B. der Romantiker, Schopenhauer, ..).
Da Liebe sich nicht im Fremdwörterbuch finden lässt, muss jeder eine ungefähre Vorstellung von ihr haben. Im aktuellen Duden finden sich 61 Begriffe,die mit liebe beginnen -- ich glaube nicht, dass es viele Wörter gibt, welche so viele Einträge bekommen haben.
Jeder liebt und weiß wenigstens grob was das ist und wie das geht. Und so klopft kein Gelehrter an die Tür, wenn die Mutter versucht ihr Kind zu lieben, oder zwei Verliebte versuchen einander zu lieben. Die Fähigkeit zu lieben ist uns angeboren. Wir brauchen sie nicht zu lernen.
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| Tizian, göttliche und irdische Liebe |
Wenn wir glauben, dass die Liebe zu einem Menschen angenehm sein kann, wie unbeschreiblich muss dann eine liebende Beziehung zu der absoluten Person, zu Gott sein?
In einem Arbeitslager erklärte Sadananda Swami seinem Freund Walther Eidlitz den Zusammenhang zwischen der Liebe zu einem Menschen und Gottesliebe so:
„Sie können gar nicht wahre Liebe zu den Menschen haben, ohne Gottesliebe. Der Mensch, jedes Lebewesen in der Welt, ist wie eine der Blüten an einem blühenden Baum. Die Wurzel des Baumes ist Gott. Wenn sie die Wurzel bewässern, dann werden auch alle Blüten und Blätter des Baumes erfrischt. Die Liebe strömt über. - Aber sie dürfen nicht die Kleider, ich meine die Leiber und die Geiheit und die Begierden der Menschen mit dem wahren Menschen, dem Atman, verwechseln, der zeitweilig eine dieser seltsamen Hüllen trägt. Der Atman ist nicht nicht Nazi,nicht Kommunist, nicht Engländer, nicht Jude, nicht Brahmane, nicht Preisringer ... auch nicht Mann oder Frau. Das ewige Wesensgesetz des Atman ist es, ein ewiger Diener Krishnas zu sein, auch wenn er es vergessen hat. Sie müssen versuchen, diesen Atman zu sehen.“
Danach fragt der Lehrer seinen Schüler und Freund: „Können sie es?“ (versuchen den Atman zu sehen)
Eidlitz zeigt uns mit seiner Anwort im Grunde unsere Antwort auf: „Ich bemühe mich.“



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