Ekelerregend sind die noppigen, dicken
Raupenkokons im Bad! Eingewoben in klebrige Fäden, bewegt sich ab
und zu etwas im unerkennbaren Inneren. Einfach ekelig! Doch manche
von ihnen sind bereits offen, ein dickes Loch klafft am Ende der
Raupenhülle. Was aus ihnen hervor stieg ist eine der schönsten
Bewohner dieser Erde: ein Schmetterling! Mit den buntesten Farben und
detailreichen Mustern flattern sie fröhlich und ausgelassen über
die Wiesen; in allen Religionen der Welt werden sie als Symbol der
Transformation erkannt; besonders hier in Mayapur finde ich jeden Tag
neue, wunderschöne Exemplare in allen Größen...
Ich erkenne hier täglich mehr, dass
der Zustand der bedingten Seele der eingesponnen Raupe sehr ähnlich
ist: man hüllt sich in seine eigenen Wünsche und Gedanken,
abgekapselt von dem Rest der Welt, behauptet man „seinen Besitz“
für sich, unter Angst sich zu öffnen. Man hortet seine kleinen
Vorräte und will sie nur für sich genießen. Dies ruft natürlich
hin und wieder Verärgerung und Unwohlsein in anderen hervor, wie
eine Raupenlarve an der Wand.
Wenn wir jedoch den spirituellen Weg
der Selbsterkenntnis voranschreiten, sehen wir, dass vor uns ein
Leben als farbenbrächtiger Schmetterling liegt : frei und angstlos,
nimmt er dankbar jeden Nektar an, der ihm auf seinem Weg gegeben
wird, wobei er wie von selbst allen anderen die ihm begegnen Freude
bereitet. Typische Merkmale eines Heiligen.
»Ich muß wohl zwei oder drei Raupen aushalten, wenn ich die Schmetterlinge kennenlernen will.« sagt die Rose zum kleinen Prinz...
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