Viele kleine Gurus, soweit das Auge reicht (Teil 3 - Die Ekelraupen)


Ekelerregend sind die noppigen, dicken Raupenkokons im Bad! Eingewoben in klebrige Fäden, bewegt sich ab und zu etwas im unerkennbaren Inneren. Einfach ekelig! Doch manche von ihnen sind bereits offen, ein dickes Loch klafft am Ende der Raupenhülle. Was aus ihnen hervor stieg ist eine der schönsten Bewohner dieser Erde: ein Schmetterling! Mit den buntesten Farben und detailreichen Mustern flattern sie fröhlich und ausgelassen über die Wiesen; in allen Religionen der Welt werden sie als Symbol der Transformation erkannt; besonders hier in Mayapur finde ich jeden Tag neue, wunderschöne Exemplare in allen Größen...
Ich erkenne hier täglich mehr, dass der Zustand der bedingten Seele der eingesponnen Raupe sehr ähnlich ist: man hüllt sich in seine eigenen Wünsche und Gedanken, abgekapselt von dem Rest der Welt, behauptet man „seinen Besitz“ für sich, unter Angst sich zu öffnen. Man hortet seine kleinen Vorräte und will sie nur für sich genießen. Dies ruft natürlich hin und wieder Verärgerung und Unwohlsein in anderen hervor, wie eine Raupenlarve an der Wand.
Wenn wir jedoch den spirituellen Weg der Selbsterkenntnis voranschreiten, sehen wir, dass vor uns ein Leben als farbenbrächtiger Schmetterling liegt : frei und angstlos, nimmt er dankbar jeden Nektar an, der ihm auf seinem Weg gegeben wird, wobei er wie von selbst allen anderen die ihm begegnen Freude bereitet. Typische Merkmale eines Heiligen.

1 Kommentar:

  1. »Ich muß wohl zwei oder drei Raupen aushalten, wenn ich die Schmetterlinge kennenlernen will.« sagt die Rose zum kleinen Prinz...

    [Antoine de Saint-Exupéry]

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