Eines wunderbaren Morgens entsprang sie zum Singen der Vögel ihrem Bett, wusch und kleidete sich sorgfältig und schlich sich dann am schlafenden Hund vorbei in die kalte Küche. Dort zog sie Mehl, Schlagsahne, Butter, gezuckerte Kondensmilche und all die feinen Zutaten aus einem Versteck und begann für ihre liebste Mutter zu backen.
| Kuchen für Krishna zur Govardhan Puja |
Als der Duft aus dem Ofen die Nase der eintretenden Mutter in ihren Bann zog, hielt die Kleine sie zurück. Erst als die gesamte Familie sich um den Tisch versammelt hatte, der mit vielfarbigen frischen Gartenblumen strahlte, überreichte sie im neuen Kleid ihr mit Zucker übergossenes Werk. Im Auge der Beschenkten funkelten Tränen. Sie lächelte und drückte ihre Kinder an sich.
Nach dieser Umarmung griff die Kleine einen Teller und zerbrach ihn auf dem Kopf ihres Bruders, der sie in den letzten Tagen immer so schlecht behandelt hatte. Auch in seinen Augen funkelten nun kleine Tränen.
Wird sich die Beschenkte freuen?
Sicher. Die Arbeit welche die Schwester in den Kuchen und die Szene investierte, den Tisch deckte, die Blumen arrangierte, schätzt die Mutter zweifellos. Doch ihr Verhalten ihrem Bruder gegenüber kann sie sicher nicht tolerieren.
Diese Analogie zeigt uns unserer eigenen Verhalten auf. Einerseits geben wir uns Mühe Regeln und Rituale zur Verherrlichung Krishnas mit Liebe durchzuführen. Andererseits neigen wir dazu zu vergessen, dass alle Lebewesen die Kinder Gottes sind. Wir missachten sie, sprechen schlecht über sie und sind neidisch. Doch was ist der Wert jeglicher religiöser Praxis, wenn nicht versucht wird allen Lebewesen Achtung und Liebe zu erweisen?
In der dritten Strophe Chaitanyas Shikshastaka steht, dass nur jemand das yuga dharma, den Weg der Verwirklichung in diesem Zeitalter - das gemeinsame Singen der verschiedenen Namen Gottes, rein und stetig ausführen kann, wenn er keine Ehre für sich selbst erwartet und alle Ehre anderen erweist. In diesem Sinne beherbergt diese Philosophie nicht nur einen Prozess zur Selbsterkenntnis sondern auch eine Lebenskultur, die diesen Vorgang unterstützt, bzw. nach dem Shikshastaka erst möglich macht.
| Größere Kuchen sind auch möglich. |
Die eigentliche Süße eines Kuchens liegt nicht in der Chemie des Zuckers sondern in den Beziehungen der Bäcker zueinander, die ihn zusammen für Krishna gebacken haben.
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