Soulfood

Den Einkaufswagen vor mich herdrückend geht es durch den Supermarkt. Um "234 bitte auf die 8" und "Heute frischer Fisch an ihrer Meerestheke" Durchsagen zu vermeiden, trage ich Gehörschutz, über den ich gerade einen Vortrag einspielen lasse. Es ist Donnerstag Nachmittag. Die Wochenendeinkäufer ruhen sich noch für ihre morgige Hetzjagt aus, die donnertstäglichen Sonderangebote des werden schon wieder zurückgetauscht. Während ich gen Kasse laufe, den gerade ausklingenden Vortrag lausche und angestrengt versuche, mich an meinen Daheim liegen gelassenen Einkaufszettel zu erinnern, ändert sich plötzlich die Kulisse. "You had some Rock Music, some Punk Music, but you need something more." - Chiemsee Festival vor einigen Jahren, ein Reggeasaänger moderiert seinen nächsten Titel an: "You need food, we had today much different tastes, but you really need some real food. Some food for your heart, some soulfood!".

Ich grinse.
Vor mir steht eine junge Frau und erklärt ihrem Kind, dass es gerade keine Süßigkeiten braucht. Soulfood. Was ist das?
Das was uns glücklich macht, was uns seelig macht?

Was eben die Seele sein soll.

In der Bhagavad gita gibt Krishna einige Beschreibungen der Seele: das, was nicht verbrannt werden kann, das, was nicht austrocknen kann und das, was das Lebewesen letztendlich ausmacht, das Bewusstsein, das den Körper mit Leben durchflutet.

Das Kind würde sicherlich trotzdem den Süßkram haben wollen. Es sieht sich eben nicht als 'die' Seele.
Nach mir stellt sich ein Mann mit einigen Flaschen Hochprozentigem an. Irgendwie wirkt er gerade auch selig. Er hat das bekommen, wovon er glaubt glücklich zu werden.
Schade. Denn er verdrängt so nicht nur seine Fähigkeiten auch nach dem Ableben des Körpers glücklich zu sein, sondern vergiftet auch seinen Körper, ein Geschenk.

Daheim angekommen höre ich ein Klingeln aus der Richtung des Altars. Wenig später steht ein Teller mit Essen vor mir. Prasadam – Nahrung die Krishna geopfert wurde. Ich greife einen Löffel, denke an die Gnade, selbst Essen mit Krishna verbinden zu können und so der Seele Nahrung zu geben.

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