Hare Krishna ihr Lieben,
der Monat Kartik neigt sich, nicht
wirklich still, dem Ende zu. Mit dem morgigen Vollmond ist dieser
spirituellste aller Monate vorüber. Doch noch bleibt ein Tag, ein
Tag an dem Besonderes für Krishna geschaffen, viel über Ihn gelesen
und noch mehr Seinen Namen gesungen und verbreitet werden kann, denn
dieser eine (restliche) Tag ist, wie die vergangenen vier Tage,
besonders: Wirken spirituelle Tätigkeiten während des Kartikmonats
das 1000 fache, wirken die gleichen Tätigkeiten in den letzten fünf
Tagen noch einmal 1000 mal mehr.
In diesem Sinne gibt es heute noch ein
(letztes) Spiel Krishnas zu lesen und natürlich am Ende der Woche
das Freitagsfest. Diese Woche wird Martin nicht nur am Herd
Wunderbares kochen, er wird auch über seine Verwirklichungen zu
Kartik berichten: Ihr seid herzlich ab 16:00 in die Körnerstraße 30
eingeladen.
Mutter Yaodā bindet Krishna
Als Mutter Yaodā einmal sah, daß ihre Dienerin im
Haushalt mit verschiedenen Arbeiten beschäftigt war,
übernahm sie selbst das Buttern. Während sie mit dem
Quirlholz Butter kirnte, sang sie Lieder über Krishnas
Kindheitsspiele und dachte voller Freude an ihren Sohn.
Sie hatte sich das Oberteil ihres Saris eng um den
Körper geschlungen, und weil sie so sehr in liebevolle
Gedanken an ihren Sohn versunken war, tropfte Milch aus
ihren Brüsten, die sich hin und her bewegten, da sie
angestrengt mit beiden Händen quirlte. Die Schmuckringe
und Reife an ihren Handgelenken ließen ein helles
Klingeln ertönen, und ihre Ohrringe tanzten im Rhythmus
ihrer Brüste. Schweiß trat ihr ins Gesicht, und Blumen
fielen aus der Girlande, die sie auf ihrem Haar trug. In
dieser malerischen Szene erschien Krishna als Kind. Er
war hungrig, und Er wollte Seiner Mutter voller Liebe
eine Gelegenheit zum Ausruhen geben. Er gab ihr also zu
verstehen, daß es ihre erste Pflicht sei, Ihn zu stillen, und
daß sie später weiterbuttern könne.
Mutter Yaodā nahm ihren kleinen Sohn auf den
Schoß und gab Ihm die Brust, und während Krishna ihre
Milch trank, lächelte sie glücklich und freute sich an der
Schönheit Seines kindlichen Gesichtes. Plötzlich bemerkte
sie, daß die Milch auf dem Herd überkochte. Um zu
verhindern, daß die Milch verlorenging, setzte sie Krishna
schnell beiseite und lief ins Haus. Als Ka von Seiner
Mutter einfach so auf den Boden gesetzt und allein
gelassen wurde, regte sich heftiger Zorn in Ihm, und Seine
Lippen und Seine Augen röteten sich. Er preßte Seine
Zähne und Lippen zusammen, hob einen Stein vom
Boden auf und warf ihn flink gegen den Buttertopf, der in
Stücke brach. Dann nahm Er Sich etwas Butter heraus und
rannte mit falschen Tränen in den Augen in ein Versteck,
um Sich die Butter schmecken zu lassen.
Nachdem Mutter Yaodā den Milchtopf vom Herd
genommen hatte, kehrte sie an die Stelle zurück, wo sie
Krishna zurückgelassen hatte. Als sie den zerbrochenen
Buttertopf sah und ihren Jungen nirgendwo finden konnte,
wußte sie sogleich, daß dies alles Krishnas Werk war. Mit
einem Lächeln sagte sie zu sich: "Dieser Schlingel!
Nachdem Er den Topf zerbrochen hat, ist Er fortgelaufen,
weil Er Sich vor der Strafe fürchtet." Nachdem Mutter
Yaodā überall vergeblich nach Krishna gesucht hatte,
entdeckte sie Ihn plötzlich, wie Er auf einem um-
gestülpten hölzernen Mörser saß. Er war gerade dabei,
Butter, die in einer Schaukel von der Decke hing, an die
Affen zu verfüttern. Sie sah, wie Krishna ständig ängstliche
Blicke um Sich warf, denn Er war Sich durchaus Seiner
Missetat bewußt. Nachdem Mutter Yaodā kurz
innegehalten hatte, um sich dies alles anzuschauen, ging
sie mit leisen Schritten von hinten her auf Krishna zu. Krishna
jedoch bemerkte sie sofort, wie sie mit einem Stock in der
Hand auf Ihn zukam, und schnell sprang Er vom Mörser
herunter und floh voller Furcht.
Mutter Yaodā lief Krishna überallhin nach und
versuchte, die Höchste Persönlichkeit Gottes zu fangen,
der sich nicht einmal die großen yog s durch ihre Me-
ditation nähern können. Mit anderen Worten, Krishna, die
Höchste Persönlichkeit Gottes, der nicht einmal von den
größten yog s und spekulierenden Philosophen
eingefangen werden kann, spielte die Rolle eines kleinen
Kindes, um eine große Gottgeweihte wie Mutter Yaodā
zu erfreuen. Für Mutter Yaodā war es nicht leicht, das
flinke Kind einzuholen, denn sie hatte eine schmale Taille
und einen schweren Körper. Dennoch versuchte sie, Ihm
so schnell wie möglich zu folgen. Ihr Haar löste sich
dabei, und die Blumen, die ihr Haar schmückten, fielen zu
Boden. Obwohl sich Mutter Yaodā sehr erschöpft fühlte,
gelang es ihr letzten Endes, den ungezogenen Krishna
irgendwie einzufangen. Als nun Mutter Yaodā Krishna
festhielt, begann Er fast zu weinen. Er rieb Sich die
Augen, die mit schwarzer Tusche bemalt waren, und als
Er das Gesicht Seiner Mutter über Sich erblickte,
begannen sich Seine Augen vor Furcht hin und her zu
bewegen. Mutter Yaodā sah, daß Sich Ka unnötig vor
ihr fürchtete, und im Interesse Seines Wohles wollte sie
Ihm alle Furcht nehmen.
Da sie nur das Beste für ihr Kind wollte, sagte sie sich:
"Wenn Sich das Kind zu sehr vor mir fürchtet, könnte dies
schlechte Folgen haben", und so warf sie den Stock
beiseite. Aber um Krishna nicht ganz ungestraft zu lassen,
dachte sie daran, Ihm mit ein paar Stricken die Hände
zusammenzubinden. Sie war sich nicht bewußt, daß es
ganz und gar unmöglich ist, die Höchste Persönlichkeit
Gottes festzubinden, denn für sie war Krishna einfach nur
ihr kleiner Sohn. Sie wußte nicht, daß es für dieses Kind
keine Begrenzungen gab. Für Krishna gibt es weder Innen
noch Außen, weder Anfang noch Ende. Er ist unbegrenzt
und alldurchdringend. Die gesamte kosmische
Manifestation ruht in Ihm, und zugleich ist Er Selbst die
kosmische Manifestation. Aber Mutter Yaodā hielt Ihn
dennoch für ihr Kind. Obgleich Er Sich weit jenseits der
materiellen Sinneswahrnehmung befindet, versuchte sie,
Ihn an dem Mörser festzubinden. Als sie nun daranging,
Ka zu fesseln, stellte sie fest, daß der Strick um zwei
Fingerbreit zu kurz war. Sogleich holte sie weitere Stricke
und knotete sie zusammen, doch seltsamerweise fehlte
immer noch die gleiche Länge. Auf diese Weise suchte sie
alle Stricke zusammen, die sie finden konnte; doch als sie
schließlich den letzten Knoten geknüpft hatte, mußte sie
feststellen, daß immer noch zwei Fingerbreit fehlten.
Mutter Yaodā lächelte, doch sie war verwirrt: Wie
konnte dies nur möglich sein? Nachdem Mutter Yaodā
eine Zeitlang vergeblich versucht hatte, ihren Sohn
festzubinden, fühlte sie sich sehr ermattet. Sie schwitzte
am ganzen Körper, und die Blumengirlande auf ihrem
Kopf fiel zu Boden. Schließlich war Krishna mit ihrer
angestrengten Bemühung zufrieden und erbarmte Sich
ihrer; so ließ Er Sich fesseln. Krishna, der in Mutter
Yaodās Haus die Rolle eines gewöhnlichen Kindes
spielte, entfaltete Seine eigenen ausgewählten Spiele.
Natürlich kann niemand die Höchste Persönlichkeit Gottes
beherrschen. Der reine Gottgeweihte ergibt sich den
Lotosfüßen des Herrn, der ihn ganz nach Belieben
beschützen oder vernichten kann. Was jedoch den
Gottgeweihten betrifft, so vergißt er niemals, daß es seine
Stellung ist, sich dem Höchsten Herrn hinzugeben.
Ebenso erfährt auch der Herr transzendentale Freude,47
wenn Er Sich Seinem Geweihten unterordnet, um Sich
von ihm beschützen zu lassen. Ka gab dafür ein wun-
derbares Beispiel, als Er Sich Yaodā, Seiner Mutter,
ergab.
Krishna gewährt Seinen Geweihten jede Art der
Befreiung, doch der Segnung, die Er Mutter Yaodā gab,
können nicht einmal Brahmā, Siva oder die Glücksgöttin
teilhaftig werden. Der Herr, die Höchste Persönlichkeit
Gottes, der als der Sohn Mutter Yaodās und Nanda
Mahārājas bekannt ist, kann von den yog s und den
spekulierenden Philosophen niemals in dieser
vollkommenen Weise erkannt werden, und diese können
auch niemals erkennen, daß Er die höchste Quelle aller
Freude ist. Doch Seine Geweihten haben sehr leicht
Zugang zu Ihm.
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